Welche Entscheidung soll ich treffen?

Über die Qual der Wahl

An dem heutigen wunderschönen Sonntag haben wir gemeinsam als Familie beschlossen, mal wieder einen Ausflug zu machen. Der große Glückskäfer wollte endlich wieder in den Tierpark, Tiere beobachten und mit der kleinen Bimmelbahn dort fahren.

Das Wetter war herrlich – der Himmel leuchtend blau, die Sonne strahlte in voller Pracht – wieso also nicht? Gesagt, getan. Sachen gepackt und ab ins Auto.

Nach einigen schönen Stunden im Tierpark mit vielen anderen Menschen, waren die kleinen Glückskäfer platt. Wir fuhren nach dem Mittagessen nach Hause. Und was passierte? Beide Kinder schliefen im Auto ein. Und das obwohl der Große schon lange keinen Mittagsschlaf mehr macht. So hatten wir eine entspannte und ruhige 20 minütige Rückfahrt.

Als wir dann auf dem für uns gewohnten Parkplatz standen, schliefen die Kids immer noch. Tja, was nun? Wir standen vor einer schwerwiegenden Entscheidung. Die Eltern von kleinen Kindern werden es sofort verstehen: Wecken – ja oder nein?

Wir hatten verschiedene Optionen zur Auswahl:

  1. Kinder wecken – Raus aus dem Auto. Nörgelnde und unzufriedene Kinder in Kauf nehmen in der Hoffnung, dass sie abends zur üblichen Zeit ins Bett gehen
  2. Kinder noch 5 Minuten schlafen lassen – in Ruhe Mails oder Whatsapp im Auto checken. Hoffen, dass die Kids allein aufwachen, sonst wecken, damit es abends nicht so spät ins Bett geht
  3. Kinder selbstbestimmt schlafen lassen solang sie wollen – Ärger und Frust zum Ausdruck bringen, dass wir im Auto festhängen und heute Abend keine Zeit für uns zu Zweit bleibt
  4. Kinder selbstbestimmt schlafen lassen – Zeit für eine kurze Meditation in der Sonne nutzen und Energie tanken, Gedanken an den Abend vorbei ziehen lassen
  5. Kinder selbstbestimmt schlafen lassen – auch ein kurzes Nickerchen machen und für den späten, wahrscheinlich längeren Abend fit sein
  6. …es gibt bestimmt noch viel mehr Möglichkeiten..

Tja, wir standen also vor der Qual der Wahl und mussten eine Entscheidung treffen, die entscheidend für den Verlauf des restlichen Tages sein würde. Das war nicht einfach.

Wie hättest du dich entschieden?

Als Mütter und auch Väter stehen wir jeden Tag vor vielen unzähligen kleinen wie großen Entscheidungen, die wir treffen müssen. Und dies wollen wir immer perfekt erledigen. Mit allen Auswirkungen abgewägt, Pro und Contra Liste erstellt, die eigenen Werte gecheckt. Das es gar nicht möglich ist, alles perfekt zu entscheiden, vergessen wir dabei viel zu schnell. Also:

Nimm dir den Druck, perfekt sein zu können. Du kannst und du bist es nicht.

Wie oft bist du dabei wirklich im Hier und Jetzt und nimmst die Situation so an wie sie ist? Mir persönlich fällt es oft noch schwer. Aber ich übe jeden Tag. Mal gelingt es besser, mal schlechter. Ich möchte auch dich dazu ermutigen; nicht immer alles abzuwägen, sondern auch mal den Moment zu genießen. Entscheide dich bewusst dafür.

Jede der oben genannten Entscheidungsoptionen hätte ich wählen können. Und ja, sie wäre sehr wahrscheinlich je nach Tagesform und Laune anders ausgefallen. Doch wir haben immer die Wahl. Wenn wir uns Zeit nehmen und in uns hinein spüren, was wir in diesem Moment wirklich brauchen. Ohne von einem Gedanken zum nächsten zu hetzen und sich die schlimmsten Horrorszenarien auszudenken.

Kinder tun dies den ganzen Tag. Sie leben den Moment. Deshalb fallen ihnen auch oftmals die Übergänge schwer. Und Planen können sie auch nicht. Dafür haben sie uns Erwachsene.

Das bedeutet jetzt nicht: Leb ständig im Moment und vergiss alles andere. Sondern: Lass dich ab und an von deinen Kindern leiten und versuch in manchen Situationen, die Dinge anzunehmen wie sie sind. Und kein Drama draus zu machen. Fang im Kleinen an.

Alles Liebe

Claudia

PS: Wir haben uns für die vierte Lösung entschieden. Und diese kurze MeTime war goldwert. Und der Große war tatsächlich erst später im Bett 😉

Jammerst du noch oder relaxt du schon?

Die Glückszeit. Für dich. Für dein Kind.

Entspannung. Auf einer Insel im Pazifik mit kühlen Drinks, Sonnenschein und ganz viel Ruhe. Purer Luxus und nur Verwöhnen. Erlebst du das auch täglich?

Nein? Gut, dann geht’s dir genauso wie mir. Stattdessen verbringe ich momentan viel Zeit damit unsere Wohnung vor dem größten Chaos zu bewahren, Essen zu kochen, die Kinder zu betreuen, die Wäsche zu waschen und mich selbst noch etwas fortzubilden. An manchen Tagen fall ich abends in Bett und frage mich, wo bin ich denn heute eigentlich geblieben? Hab ich eine Pause für mich gehabt?

Doch was heißt eigentlich Pause?

Pau·se:
kürzere Unterbrechung einer Tätigkeit, die der Erholung, Regenerierung o. Ä. dienen soll

Eine kürzere Unterbrechung? Genau das. Doch oftmals schwebt in unseren Köpfen ein bestimmtes Bild von Pause: Am liebsten auf der Couch sitzend, ungestört und voller Ruhe – am besten ne Stunde lang.

Mit Kindern ist so eine Zeitspanne undenkbar. Aber auch nicht notwendig. Denn laut Definition reicht schon eine kurze Auszeit. Wenn wir sie auch als solche bewusst wahrnehmen. Mir persönlich passiert es ganz oft, dass ich in Gedanken schon die nächsten Schritte, die nächsten Erledigungen plane anstatt mich auf den Moment zu konzentrieren.

Was kann ich also tun?

Den Moment wahrnehmen und mit allen Sinnen erfahren. Um das zu üben, stell dir einen Wecker. Auf fünf oder 10 Minuten.

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Setz dich dann hin. Oder bleib stehen. Lauf umher. Leg dich hin. Es ist ganz gleich und unbedeutend. Trink eine Tasse Kaffee oder Tee. Iss ein Stück Schokolade. Schau dir ein scjönes Bild oder ein Foto an. Streichel deine Katze oder nimm einen Igelball in die Hände. Hör deine Lieblingsmusik. Tanz. Sing. Genieß die Stille. Atme.

Ganz egal was du tust. Sei bewusst mit deiner Aufmerksamkeit auf die Sache konzentriert.

Ein Beispiel mit Tee: Fühl die Wärme, riech den Duft, betrachte die Farbe, schmecke das Aroma, hör das Wasser beim Aufgießen. Nimm bewusst den ersten Schluck.

Und ich weiß aus eigener Erfahrung, welche Herausforderung es mit kleinen Kindern ist, den eigenen Tee noch warm zu trinken.

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Doch wenn du einen Tee trinken willst, dann tu es bewusst. Wenigstens einmal am Tag. Und du wirst merken, dass die restlichen Dinge auf deiner To Do Liste 5 Minuten warten können. Und auch ein kleines Kind kann mithilfe einer Sanduhr oder eines Weckers gezielt verstehen, jetzt ist Mama’s Glückszeit und du bist im Bereich Selbstfürsorge ein großes Vorbild.

Wenn du etwas geübter bist, kannst du diese kleinen Momente immer wieder und überall nutzen. Wenn dein Kind versonnen im Garten einen Käfer beobachtet, wenn es in ein Spiel vertieft ist oder ihr gemeinsam einen Kuchen backt. Sei wachsam wie ein neutraler Beobachter und versuch mit verschiedenen Sinnen wahrzunehmen. Was hörst du? Was siehst du? Was riechst du? Was fühlst du? Was schmeckst du?

Was wirst du heute noch in deiner Glückszeit machen und bewusst genießen?

Herzlichst deine Claudia

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…Beim nächsten Mal erzähl ich dir dann mehr über die Glückszeit deines Kindes.

Ich bin eine schlechte Mutter..

Ein Plädoyer für das Unperfekte

Es ist mal wieder einer dieser Tage – die Wäscheberge bilden eine Front, das Geschirr stapelt sich, die Spülmaschine will ausgeräumt werden, der Müll quillt über, das Spielzeug liegt in der ganzen Wohnung verteilt und die Kinder wollen nicht zusammen, aber auch nicht allein sein. Es herrscht Ausnahmezustand und bei dem Versuch als Mutter allein auf die Toilette gehen zu wollen, ertönt lauter Widerstand.

Kennst du solche Momente? – Ich schon. Und am liebsten würde ich entweder ganz laut brüllen, angesichts der Überforderung weinen oder mich im tiefsten Loch verstecken. Und dann kommt aus den Tiefen meiner Seele eine Stimme empor, die da heißt:

Selbstzweifel. Der innere Kritiker.

„Was, du hast noch nicht aufgeräumt, gewaschen, gebügelt, geputzt und den Müll weggeräumt? Das Essen hast du noch nicht gekocht? Die Windeln sind noch nicht gewechselt? Wie willst du das nur alles schaffen? Also als Hausfrau taugst du nichts. Du bist nicht gut genug.

Du hast noch nicht für deine Kinder gesungen, ihnen nichts vorgelesen und ausreichend gespielt? Wo sind die pädagogischen Spiele? Hast du noch keine frühfördernden Maßnahmen ergriffen? Was bist du nur für eine schlechte Mutter.

Und wie siehst du überhaupt aus? Voller Flecken vom Mittagsbrei, die Haare ungekämmt, nicht geschminkt und unrasiert. Wie soll dich da dein Partner gut finden? Du kannst dich doch nicht so gehen lassen. Du bist zu dick. Zu dünn. Zu klein. Zu groß. Du bist es nicht wert, dass du geliebt wirst.

Du schaffst es nicht noch deinem Lieblingsjob nach zu gehen und die Karriereleiter zu erklimmen? Was, du bleibst zuhause? Du Glucke. Kannst wohl nicht los lassen. Du bist zu schlecht und nicht gut genug, dich neben deinen Kindern zu entwickeln und in deinem Traumberuf Erfüllung zu finden.

Was; du gehst doch arbeiten? Du Rabenmutter. Du kannst dich nicht alleine um deine Kinder kümmern? Die Begleitung von Kindern ist doch so einfach und erfüllend. Du denkst auch immer nur an dich. Du bist keine gute Mutter. Und den Job kannst du in Teilzeit sowieso nicht gut machen. Alle anderen schaffen viel mehr als du. Und ständig musst du zuhause bleiben, wenn die Kinder krank sind. Das bedeutet für die Anderen nur eine Mehrbelastung. Du bist so egoistisch.

Denkest darüber nach, mal eine Auszeit zu nehmen? Nur für dich? Unmöglich.

Inge vom Pekip schafft es doch auch alles mit Leichtigkeit. Andrea rastet gegenüber ihren Kindern nie aus. Sonja sieht immer perfekt aus. Und du?

Du bist nicht gut genug.

Du schaffst es nicht.

Du bist es nicht wert.“

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Halt! Bitte stoppt diesen Wahnsinn.

Es macht mich traurig.

Jeden Tag zerfleischen Mütter sich selbst, weil sie das Gefühl haben, nicht gut genug zu sein und den Ansprüchen der Gesellschaft und ihren eigenen nicht zu genügen.

Du und ich, wir plagen uns mit Gedanken, warum wir nicht unseren Idealen entsprechen und nicht 250% geben können. Warum hat der Tag nicht 48 Stunden, damit wir noch weniger schaffen?

Es ist Zeit damit endlich aufzuhören!

Hör auf, alles PERFEKT machen zu wollen.

Hör auf, die PERFEKTE Mutter sein zu wollen.

Hör auf, die PERFEKTE Parterin sein zu wollen.

Hör auf, die PERFEKTE Hausfrau sein zu wollen.

Hör auf, die PERFEKTE Business Frau sein zu wollen.

Hör auf, die PERFEKTE Liebhaberin sein zu wollen.

Hör auf, die PERFEKTE Tochter und Schwiegertochter sein zu wollen.

Hör auf, die PERFEKTE Nachbarin sein zu wollen.

Hör auf, die PERFEKTE Köchin sein zu wollen.

Hör auf, die Person sein zu wollen, die PERFEKT mit ihren Emotionen umgehen kann.

Die Liste ließe sich endlos fortsetzen lassen.

Du weißt, was ich meine. Ganz besonders in dieser Generation habe ich den Eindruck, dass wir die alten Wunden und Verletzungen der vorherigen Generationen in uns tragen. Deshalb wollen wir eine neue Richtung einschlagen und bedürfnisorientierter mit unseren Kindern umgehen. Ich selbst gehe so mit meinen Kindern um. Ich bin froh, dass wir mit unseren Kindern auf Augenhöhe und mit gegenseitigem Respekt umgehen wollen.

Doch es fehlen uns oftmals die Vorbilder, an denen wir uns orientieren können. Also bürden wir uns mehr Veränderung, mehr Vergleiche, mehr Perfektionismus auf. Doch es bringt nichts, außer das wir uns selbst zerstören.

Es gibt nicht die PERFEKTE Familie.

Hör auf dich zu vergleichen und so sein zu wollen wie die anderen. Wer sind überhaupt, die ‚Anderen‘?

Ich möchte dich an dieser Stelle ermutigen, aus dem Kreislauf auszubrechen und einen Weg einzuschlagen, der zu dir und deiner Familie passt.

Geht euren individuellen und einzigartigen Weg.

Wenn du Ideen brauchst, dann lies ein Buch oder informier dich im Internet. Wenn du Unterstützung brauchst, such dir einen Coach oder eine Gruppe, in der du dich aufgehoben fühlst und du so sein kannst, wie du bist. Wenn du Hilfe brauchst, such dir einen Therapeuten oder eine Putzfrau. Egal was, lass die Leute reden und fang an dir selbst zu vertrauen. Mit all deinen Stärken und Schwächen.

Sei UNPERFEKT.

Ich weiß aus eigener Erfahrung wie schwer das ist. Aber du hast jeden Tag eine neue Chance etwas zu verändern und dazu zu lernen.

Vergib dir selbst und lad dich selbst immer wieder ein. Dann wirst du wachsen und zu mehr Leichtigkeit kommen.

Und denk daran, Kinder können nur zufriedene Glückskäfer sein, wenn ihre Mütter es auch sind.

Alles Liebe,

Claudia

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